KompendiumKapitel I — Die Rechtsformen
Was ist eine GmbH?
Die verbreitetste Kapitalgesellschaft des Mittelstands — mit klarer Trennung zwischen Gesellschaft und Gesellschafter.
Kurz gefasst
Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung ist eine eigenständige juristische Person. Sie schließt Verträge, haftet mit ihrem eigenen Vermögen und wird von einem oder mehreren Geschäftsführern geführt. Die Gesellschafter haften nach voller Einzahlung der Einlagen grundsätzlich nicht mit ihrem Privatvermögen. Das Stammkapital beträgt mindestens 25.000 Euro; für die Gründung genügt die Einzahlung der Hälfte. Steuerlich unterliegt die GmbH der Körperschaftsteuer und der Gewerbesteuer — zusammen rund 30 Prozent auf einbehaltene Gewinne.
Vorteile und Nachteile — nüchtern gegenübergestellt.
Dafür spricht
- Haftungsbegrenzung: Das unternehmerische Risiko endet beim Gesellschaftsvermögen.
- Niedrige Steuer auf einbehaltene Gewinne: rund 30 % — ab 2028 sinkt die Körperschaftsteuer schrittweise von 15 auf 10 %.
- Klare Ordnung: Gesellschafterversammlung, Geschäftsführung und Satzung regeln Zuständigkeiten eindeutig.
- Anteile sind übertragbar: Verkauf, Schenkung und Nachfolge lassen sich anteilsweise gestalten.
- Hohe Akzeptanz: bei Banken, Geschäftspartnern und im Beteiligungsmarkt seit über 130 Jahren eingeführt.
Dagegen spricht
- Gründungsaufwand: notarielle Beurkundung, Handelsregister, laufende Formpflichten.
- Zweite Steuerebene: Erst bei Ausschüttung an die Gesellschafter fallen zusätzlich 26,375 % an.
- Publizität: Jahresabschlüsse sind offenzulegen; Kleinstgesellschaften nur zu hinterlegen.
- Strenge Vermögenstrennung: Entnahmen „nach Bedarf“ gibt es nicht — verdeckte Gewinnausschüttungen sind teuer.
- Verluste bleiben in der Gesellschaft: Eine Verrechnung mit privaten Einkünften scheidet aus.
Wo es geschrieben steht.
Zahlenbeispiel: 100.000 € Gewinn
Eine GmbH erzielt 100.000 € Gewinn (Hebesatz 400 %). Auf Gesellschaftsebene fallen an:
| Position | Betrag |
|---|---|
| Körperschaftsteuer inkl. Soli (15,825 %) | 15.825 € |
| Gewerbesteuer (3,5 % × 400 %) | 14.000 € |
| Belastung bei Thesaurierung | 29.825 € |
Bleibt der Gewinn im Unternehmen, verbleiben 70.175 € für Investitionen. Erst wenn ausgeschüttet wird, kommen auf diese Summe weitere 26,375 % Kapitalertragsteuer hinzu — die Gesamtbelastung steigt dann auf rund 48 %. Die GmbH belohnt also das Einbehalten und Reinvestieren.
Interaktiv · Simulator
Wann lohnt sich eine GmbH?
Vergleich der Steuerlast: Einzelunternehmen (Tarif 2026, ledig, mit Gewerbesteuer-Anrechnung) gegen GmbH (Körperschaft- und Gewerbesteuer, wahlweise Ausschüttung). Vereinfacht: ohne Soli-Details, Kirchensteuer und Geschäftsführergehalt.
Näherung zur Veranschaulichung — die Entscheidung gehört in die persönliche Beratung. Im Kolleg rechnen wir mit Ihren echten Zahlen.
Die GmbH trennt das Unternehmen vom Unternehmer — und belohnt jeden Euro, der im Unternehmen bleibt.
Merksatz des Kollegs
Dieses Wissen ist der Anfang. Die Anwendung ist die Mitgliedschaft.
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stiftskolleg.de/wissen/gmbh/
Stand: Juli 2026 · Erste Ausgabe zum Workshop Traunstein. Das Kompendium vermittelt allgemeines Wissen für Unternehmerinnen und Unternehmer; Zahlenbeispiele und Rechner sind zur Veranschaulichung vereinfacht. Es ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung — über den Einzelfall entscheidet das persönliche Gespräch. Inhaltlich verantwortlich: Stiftskolleg — Die Unternehmer-Akademie, in fachlicher Zusammenarbeit mit Steuerberater Niklas Bienhüls.