KompendiumKapitel IV — Der Notfallkoffer
Was gehört in einen Notfallkoffer?
Wenn Sie morgen ausfallen — kann Ihre Familie übermorgen handeln? Der Notfallkoffer ist die Antwort in Ordnerform.
Kurz gefasst
Der Notfallkoffer ist die geordnete Sammlung aller Dokumente, Vollmachten und Informationen, die Familie und Unternehmen handlungsfähig halten, wenn der Unternehmer plötzlich ausfällt — durch Unfall, Krankheit oder Tod. Er beantwortet drei Fragen: Wer darf entscheiden? Wo ist was? Und wie geht es weiter? Fünfzehn Bereiche gehören hinein, vom Gesellschaftsvertrag über Vorsorgevollmacht und Bankvollmachten bis zu Passwörtern, Testament und Vermögensübersicht. Ein Nachmittag Ordnung erspart im Ernstfall Monate der Lähmung — und verhindert, dass ein Betreuungsgericht über Ihr Unternehmen entscheidet.
Gesellschaftsrecht
Kann die Gesellschaft ohne Sie beschließen?
Gesellschaftsvertrag, Satzung und Geschäftsordnungen gehören griffbereit in den Koffer — samt der Antwort auf die Frage, wer bei Ihrem Ausfall vertritt, abstimmt und unterschreibt. Prüfen Sie die Abfindungs- und Nachfolgeklauseln: Viele Verträge stammen aus der Gründungszeit und verweisen auf Erben, die es so nicht geben soll. Eine Stimmrechtsvollmacht für den Ausfall und eine geregelte Zweitgeschäftsführung halten die Gesellschaft beschlussfähig.
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Als Unternehmer
Läuft der Betrieb vier Wochen ohne Sie?
Der Betrieb braucht ein Notfallhandbuch: Wer führt, wer zeichnet, wer kennt Kunden, Banken und Schlüssellieferanten? Hinterlegen Sie Prokura oder Handlungsvollmacht, eine Vertreterregelung je Kernaufgabe und eine Liste der laufenden Projekte und Verpflichtungen. Banken akzeptieren im Ernstfall nur dokumentierte Vollmachten — ein Anruf der Ehefrau genügt nicht.
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Als Privatperson
Findet Ihre Familie, was sie braucht?
Privat zählt die einfache Ordnung: Personenstandsurkunden, Versicherungspolicen, laufende Verträge, Immobilienunterlagen und die Übersicht der Zahlungsverpflichtungen. Wer im Ernstfall suchen muss, verliert Wochen — und kündbare Fristen. Ein Ordner, ein Ort, zwei Eingeweihte.
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Krankenakte
Kennen die Ärzte Ihre Vorgeschichte?
Diagnosen, Medikationsplan, Allergien, Implantate, behandelnde Ärzte: Im Notfall entscheidet die Information in den ersten Stunden. Eine kompakte Gesundheitsmappe — auch als Kopie bei der Vertrauensperson — beschleunigt jede Behandlung und erspart gefährliche Doppelmedikation.
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Vorsorgevollmacht
Wer handelt, wenn Sie nicht mehr können?
Ohne Vorsorgevollmacht bestellt das Gericht einen Betreuer — auch gegen die Familie. Die Vollmacht benennt, wer Gesundheits-, Vermögens- und Behördenangelegenheiten führt. Für Unternehmer gilt: private und unternehmerische Vollmacht trennen und die Vollmacht notariell beurkunden lassen, damit sie auch für Grundstücke und GmbH-Anteile trägt. Registrierung im Zentralen Vorsorgeregister.
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Bankvollmachten
Kommt jemand an die Konten?
Banken verlangen eigene Formulare: Eine notarielle Generalvollmacht wird oft erst nach Prüfung akzeptiert, die bankeigene Konto-/Depotvollmacht wirkt sofort. Erteilen Sie sie über den Tod hinaus, getrennt für Privat- und Geschäftskonten, und prüfen Sie jährlich, ob die Bevollmächtigten noch stimmen. Ohne Vollmacht sind selbst Gehälter und Miete wochenlang blockiert.
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Passwörter
Stirbt mit Ihnen der Zugang?
E-Mail, Online-Banking, Cloud, Steuerportal, Social Media: Der digitale Nachlass ist heute der Schlüssel zu fast allem. Führen Sie einen Passwort-Manager mit Notfallzugriff oder hinterlegen Sie das Master-Passwort versiegelt beim Notar oder im Tresor. Zwei-Faktor-Geräte (Handy!) einplanen — der beste Passwortzettel scheitert am gesperrten Telefon.
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Zugangsdaten
Wo liegt der Schlüssel zum Schlüssel?
Über Passwörter hinaus: Tresorcodes, Schlüsselverzeichnis, Alarmanlagen, Bankschließfächer, Serverräume, Software-Lizenzen, DATEV- und ELSTER-Zugänge. Ein Zugangsverzeichnis listet, was existiert und wo der Zugang liegt — ohne die Geheimnisse selbst zu enthalten. So bleibt die Liste ungefährlich und trotzdem vollständig.
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Bestattung
Muss Ihre Familie raten, was Sie wollten?
Eine Bestattungsverfügung nimmt der Familie in den schwersten Tagen die schwersten Entscheidungen ab: Art und Ort der Bestattung, Gestaltung der Feier, wer benachrichtigt werden soll. Auch geregelt werden können Kostenrahmen und ein bereits geschlossener Bestattungsvorsorgevertrag. Die Verfügung gehört in den Koffer — das Testament wird oft erst nach der Beisetzung eröffnet.
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Krankheiten
Ist der Ernstfall zu Ende gedacht?
Die Patientenverfügung legt fest, welche Behandlungen Sie in aussichtsloser Lage wünschen oder ablehnen — konkret, nicht in Floskeln. Ergänzen Sie Organspendeausweis und die Zuordnung zur Vorsorgevollmacht (wer setzt Ihre Verfügung durch?). Chronische Erkrankungen und laufende Therapien gehören dokumentiert, damit Vertretungsärzte anschließen können.
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Haustiere
Wer füttert am Tag eins?
Vom Hund bis zum Pferdestall: Tiere brauchen am ersten Tag Versorgung. Benennen Sie eine Betreuungsperson, hinterlegen Sie Futter- und Medikamentenplan, Tierarzt und Versicherungen. Bei wertvollen Tieren oder Zuchten gehört die Nachfolge ins Testament — Tiere sind rechtlich Vermögen.
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Familienangehörige
Wer braucht Sie — und wer hilft dann?
Pflegebedürftige Eltern, minderjährige Kinder, Angehörige mit Behinderung: Der Koffer regelt, wer einspringt. Für Minderjährige gehört eine Sorgerechtsverfügung hinein (wer soll Vormund werden — und wer ausdrücklich nicht), für Pflegefälle der Überblick über Pflegegrad, Dienste und Vollmachten. Unterhaltspflichten und Versorgungszusagen gehören dokumentiert.
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Testament
Gilt, was Sie wollen — oder die gesetzliche Erbfolge?
Ohne Testament erbt die gesetzliche Ordnung — im Unternehmerfall oft die schlechteste aller Lösungen: Erbengemeinschaften blockieren Gesellschaftsanteile, Pflichtteile treffen die Liquidität. Das Unternehmertestament stimmt Erbrecht und Gesellschaftsvertrag aufeinander ab, ordnet Vermächtnisse und Testamentsvollstreckung und nutzt die Freibeträge im Zehnjahresrhythmus. Notarielle Form erspart den Erbschein.
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Letzter Wille
Was soll bleiben — über Paragrafen hinaus?
Neben dem juristischen Testament trägt der Koffer den persönlichen letzten Willen: Briefe an die Familie, Werte und Wünsche für das Unternehmen, Regelungen für persönliche Gegenstände, die kein Nachlassverzeichnis erfasst. Solche Verfügungen binden rechtlich nicht — aber sie ordnen den Frieden der Familie oft wirksamer als jede Klausel.
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Vermögensübersicht
Kennt außer Ihnen jemand das Ganze?
Konten, Depots, Beteiligungen, Immobilien, Darlehen (gegeben und genommen), Versicherungen, Kunstwerke, Krypto: Die Vermögensübersicht ist die Landkarte des Nachlasses. Ohne sie bleiben Depots unentdeckt und Fristen ungenutzt. Einmal jährlich aktualisieren — mit Stichtag, Werten und Fundstellen der Belege. Sie ist zugleich die Grundlage jeder Nachfolge- und Stiftungsplanung.
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Der Notfallkoffer ist ein Geschenk an Ihre Familie — verpackt in Ordnung.
Merksatz des Kollegs
Dieses Wissen ist der Anfang. Die Anwendung ist die Mitgliedschaft.
Mitglieder des Stiftskollegs behalten Zugang zum Kompendium samt aller Workshop-Unterlagen, erhalten die Einladungen zu den Kolleg-Terminen zuerst — und arbeiten dort an den eigenen Zahlen. Die Aufnahme ist derzeit beitragsfrei.
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stiftskolleg.de/wissen/notfallkoffer/
Stand: Juli 2026 · Erste Ausgabe zum Workshop Traunstein. Das Kompendium vermittelt allgemeines Wissen für Unternehmerinnen und Unternehmer; Zahlenbeispiele und Rechner sind zur Veranschaulichung vereinfacht. Es ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung — über den Einzelfall entscheidet das persönliche Gespräch. Inhaltlich verantwortlich: Stiftskolleg — Die Unternehmer-Akademie, in fachlicher Zusammenarbeit mit Steuerberater Niklas Bienhüls.